Unser Holunder

Wir beginnen das Jahr 2020 mit der Idee eine Fotostrecke inkl. Dokumentation über die verschiedenen Arbeitsschritte die in einem „Holunderjahr“ notwendig sind zu erstellen…

Gesagt, getan: Jänner bis März 2020 „Der Baumschnitt“

Viele machen es im Anschluss an die Beerenernte, wir aber schneiden unsere Holunderbäume Anfang des Jahres. Das Bäume schneiden ist bei uns zu Hause Männerarbeit und es kostet meinem Mann und meinem Papa einiges an Zeit und Geduld. Wenn man bedenkt, dass je nach Reihenlänge zwei bis max. vier Reihen pro Mann an einem Tag geschafft werden, muss man schon eine große Motivationsfähigkeit besitzen diesen Vorgang über Tage und Wochen hinweg, bei jeder Temperatur, zu wiederholen. Obwohl die Stille und die Laute der Natur der Seele gut tun, hat man sich an dem Krähenkonzert, von dem man täglich begleitet wird, auch bald satt gehört.

Baumschnitt im Detail

Ein Holunderbaum hat schier unendlich viele Astruten die da in die Luft ragen. Je nach Alter des Baumes bleiben aber nur 6 – 14 Äste stehen und werden soweit eingekürzt bis der Ast Bleistiftstark dick ist. Je jünger die Bäume sind, desto weniger Ruten bleiben für die Ernte stehen. Man will die Jungen ja nicht gleich zu Beginn ihres Daseins überfordern.
Im besten Fall, wenn Hagel oder später Schneefall es zulassen, bleiben nur die einjährigen Ruten für das kommende Erntejahr stehen. Diese bilden mehr Blüten bzw. Früchte aus als die mehrjährigen Äste. Man erkennt die Einjährigen entweder daran, dass keine Beeren darauf gewachsen sind oder im Winter daran, dass sie viel dünner sind und keine kleinen, abstehenden Äste aufweisen auf denen im Vorjahr bereits Dolden gehangen haben.

Ab und zu komme ich in dieser Jahreszeit auch in die Holunderanlage und jedes mal wenn ich den Männern beim schneiden zuschaue denke ich mir, dass man ein gutes Gefühl dafür braucht und jeder Schnitt wohl überlegt sein muss.
Am optimalsten für die Ernte ist es wenn sich die Ruten mit den schweren Dolden bis kurz über den Boden hinunter biegen. Würden die Ruten am Boden aufliegen, würden alle Dolden an der Astspitze bei Starkregen im Matsch oder nassen Gras liegen und schnell verfaulen. Sind die Äste zu kurz, biegen sie sich nicht hinunter sondern ragen mit den schönsten Dolden weit in den Himmel. Man kann sich nur schwer vorstellen was für eine Mühevolle arbeit es ist, die starken Äste herunter zu biegen um die Dolden abzuernten.
Ich kann nur hoffen, dass unsere Männer auch heuer wieder gut konzentriert bei der Sache waren 🙂

März/April 2020: Es geht um „Leben und Tod“

Entweder im Herbst nach der Ernte bzw. spätestens nach dem Baumschnitt am Jahresbeginn, werden die abgestorbenen Bäume, die den Mäusen oder sonstigen Umwelteinflüssen zum Opfer gefallen sind, ausgegraben und durch junge Bäume ersetzt.

In Summe wurden heuer 150 junge Bäume ausgepflanzt.
Diese Jungpflanzen erzeugen wir seit einiger Zeit selbst. In unserer Baumschule werden jedes Jahr Steckhölzer zu Bäumen erzogen. Durch die liebevolle und penible Pflege meines Mannes (Steckholz müsste man sein 🙂 ) gelingt das schon seit einigen Jahren und die Qualität unserer eigenen Bäume ist unübertrefflich.
Die Bäume unserer jüngsten Holunderanlage, die wir jedes Jahr zum Selberpflücken öffnen, sind zum Beispiel zur Gänze aus unserer eigenen Baumschule und darauf sind wir sehr stolz!

Unsere Baumschule – Steckhölzer im Detail

Was ist eigentlich ein Steckholz? Ein Steckholz ist ein ca. 20-30 cm langes, gesundes, kräftiges, einjähriges Aststück. Ohne Blätter, komplett verholzt und man schneidet sie dann, wenn die Pflanzen ruhen. In unserem Fall machen wir das immer während des Baumschnittes. Wichtig ist, dass das Aststück mehrere Blattknoten aufweist. Aus diesen wachsen dann unterirdisch Wurzeln und oberirdisch Triebe.

Wir machen Steckhölzer mit zwei Blattknoten. Beim unteren Blattknoten schneiden wir den Ast recht knapp ab und nach dem oberen Knoten lassen wir den Ast länger stehen. Einerseits verwechselt man so oben und unten nicht und andererseits dient der längere Ast später zum anbinden des obersten Triebs.

Man kann die Steckhölzer in Töpfe geben, da diese dann schneller zu wurzeln beginnen. Für uns ist das allerdings unpraktikabel. Wir stecken sie direkt in einen vorbereiteten Acker wo sie dann auch gleich zu stattlichen Bäumen heranwachsen können. Grundsätzlich müssen die Steckhölzer nicht gegossen werden. Wir meinen jedoch bessere Ergebnisse zu erzielen wenn wir die Steckhölzer feucht halten und haben uns dafür mit Sprühnebelschläuchen ausgestattet, die wir je nach Wetterlage ein bis zweimal am Tag einschalten.

Es gibt auch erstaunliches zu beobachten. Obwohl die Steckhölzer noch keine nennenswerten Wurzeln haben und noch weit davon entfernt sind Baum genannt zu werden, bilden sie Blüten. Miniaturblüten die wir entfernen damit sich das Steckholz auf seine vorrangige Arbeit, dass heranwachsen zu einem Baum, besinnen kann.

Wenn alles gut gepasst hat, werden die Stecklinge innerhalb eines Jahres ein bis zwei Meter groß und man kann sie im Herbst oder nächsten Frühling an ihren Bestimmungsort verpflanzen. Bis dahin ist allerdings viel Hingabe und Pflege nötig.

April 2020: Der jährliche Lausebefall

Marienkäfer tummeln sich auf den Blättern. (Heuer ist mir sogar ein Multi-Kulti Pärchen vor die Linse gekommen!) Jedenfalls dort, wo Marienkäfer sind, sind auch Ameisen, sind auch Blattläuse!

Da braucht man eigentlich gar nicht mehr nachzuschauen. Ich habe es für Fotostrecke natürlich doch gemacht und siehe da: Zwei Millimeter große, fette Läuse. Ohne Berücksichtigung des „Corona-Meter“ Abstands machen sie es sich auf unserem Holunder gemütlich. Nicht mehr lange dann wird die Baumspritze an den Traktor gehängt und mein Papa kümmert sich um diese Angelegenheit. Auch wenn Blattläuse, wie alle Lebewesen ihre Berechtigung haben, müssen wir auf unsere Bäume achten. Wo es möglich ist, stärken wir unsere Bäume mit natürlichen Mitteln und dort wo es nicht möglich ist, behandeln wir sie Pflanzenschutztechnisch mit besten Wissen und Gewissen!

Fotos unserer Sorten Rubin und Haschberg (Hoflage) am 26. April 2020

Mai 2020 – Jetzt wird enträubert!

Der Holunder wächst eigentlich als Strauch und deshalb bildet er jedes Jahr neue Triebe am Stamm. Im privaten Haushalt spricht nichts gegen einen Holunderstrauch. In der Landwirtschaft ist der Holunder als Strauch allerdings nicht praktikabel und auch weniger Ertragreich. Deshalb erziehen wir unseren Holunder zu Bäumen und müssen jedes Jahr die neuen Triebe an den Stämmen „enträubern“.